Goodbye Bargeld! aus der Reihe uebermorgen DOKU

Droht das Ende des Bargelds? Müssen wir uns von einem unserer geliebten Kulturgüter verabschieden? Bereits heute nehmen elektronische Bezahlsysteme überhand, immer seltener nutzen wir Scheine und Münzen. Welche Technologien und Anwendungen werden in Zukunft den Handel und unser tägliches Leben bestimmen? Welche Vorteile bringen virtuelle Transaktionen und was ist ihr Preis?

Geld: Leicht liegt es uns auf der Hand
Das Zukunftsmagazin "über:morgen" wirft mit der Dokumentation "Goodbye Bargeld!" einen spannenden Blick auf das, womit wir tagtäglich zu tun haben: Unser Geld. Was wissen wir eigentlich darüber? Verhält es sich so, wie Henry Ford einst munkelte: "Es ist gut, dass die Bürger der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn würden sie es verstehen, gäbe es noch vor morgen früh eine Revolution."

Franz Hörmann, Professor für Unternehmensrechnung
Franz Hörmann, Professor für Rechnungswesen an der Wirtschaftsuniversität geht in medias res: Geld sei keineswegs das, wofür man es hält. Er vergleicht die Geldschöpfung der Banken, die mit Zins und Zinseszins in ein überbordendes Schuldsystem führt, mit einem magischen Akt, der Menschen in Abhängigkeit versetzt und sie kontrollierbar macht. Tarek el Sehity, Professor für Vermögenskultur an der Sigmund Freud Universität, behauptet, Geld sei "der Mist des Volkes" und spricht die Reputation und Verantwortung der "Geldschöpfer" an, die zunehmend schwindet: Digitaler Geldverkehr liefere uns dem Prinzip "power corrupts" aus.

Hannes Zeger, ARGE DATEN
Es scheint, als wäre der Zug in Richtung bargeldloses Zahlen bereits abgefahren. Vorstöße zur Abschaffung des Bargelds erreichen uns aus Schweden, Griechenland und Holland. Für die schwedische Polizeipräsidentin gilt Bargeld als "Blut in den Adern Krimineller": Die Schattenwirtschaft soll bekämpft werden. Elektronische Transaktionen bieten die Chance der Überwachung, aber ebenso die Einsicht Dritter in unser Leben.

Welche Herausforderungen treffen damit den Datenschutz? Und findet - in Zukunft vielleicht verstärkt - eine Verschiebung der Schattenwirtschaft hin zu Eliten statt, die exklusiv elektronische Seitenwege nutzen können, um ihre Bilanzen zu verschleiern?

Ulrich M. Kipper, it-werke
Auf der anderen Seite machen angenehme Lösungen bargeldlose Zahlungsakte unwiderstehlich attraktiv, schnell und bequem. Ab 2012 wird in Mitteleuropa flächendeckend die NFC (Near Field Communication) vor allem per Handy-Payment zum Einsatz kommen, biometrische Lösungen wie Fingerprint dringen weiter vor, anvisiert werden Verschmelzungen beider Technologien. All-inclusive Provider wie Skidata forcieren weltweit Insellösungen für Freizeitwelten, Rock-Festivals, Sport-Events und Regionen - per Chip werden persönlicher Zugang, Identifikation, Konsumation und Einkauf abgewickelt.

Kommt "der Chip für alle"? Welche Alternativen bieten sich für das Gemeinwohl? Gibt es Visionen für ein völlig neues dezentrales Geldsystem? Die Dokumentation "Goodbye Bargeld!" versucht einen Blick in die Zukunft.

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